Ein Zeitlimit beim Glücksspiel soll etwas außerhalb des Spielens schützen: deinen Schlaf, eine Beziehung, eine Aufgabe oder einen Abend, den du anders nutzen willst. Es soll nicht zur Erlaubnis werden, so lange zu spielen, bis der Timer abläuft.
Es gibt keine Spieldauer, die Glücksspiel sicher macht. Dieser Ratgeber hilft dir, Grenzen zu ordnen, und schreibt niemandem vor, wie lange er spielen sollte. Wenn dir das Aufhören schon jetzt schwerfällt, geh lieber direkt zur Hilfe, statt dich mit einer weiteren zeitlich begrenzten Runde zu testen.
Zähl mehr als die Zeit, in der ein Spiel offen ist
Eine Spielsitzung ist oft nur ein Teil der Aufmerksamkeit, die ins Glücksspiel fließt. Dazu kommen Kontostand checken, Wetten recherchieren, Streams schauen, Ergebnisse verfolgen oder darüber nachdenken, wie du einen Verlust wieder reinholst. Ein Timer in einem einzelnen Spiel zeigt davon nichts.
Halte zwei Beobachtungen getrennt fest: die Zeit, in der du direkt gespielt hast, und die übrige Zeit, die du dem Glücksspiel gewidmet hast. Eine minutengenaue Liste brauchst du nicht. Es geht darum, zu bemerken, was kein Kontoauszug zeigt.
Frag dich, was verdrängt wurde. „Ich habe während eines Familiengesprächs Ergebnisse gecheckt“ sagt oft mehr als die Bildschirmzeit, weil es benennt, welchen Teil deines Lebens du schützen willst.
Leg das Ende fest, bevor du anfängst
Formuliere einen Endpunkt, der nicht von einem Ergebnis abhängt. „Ich höre zur geplanten Uhrzeit auf“ ist etwas anderes als „Ich höre auf, wenn ich im Plus bin“. Das Zweite ist eine Spielbedingung, keine Zeitgrenze.
Plane den nächsten Schritt gleich mit: Konto schließen und zu der Tätigkeit wechseln, die du dir außerhalb des Spielens vorgenommen hast. Wähle einen Übergang, der dich nicht zum nächsten Wettbildschirm führt.
Eine Zeitgrenze ist ein Maximum, kein Termin, den du ausschöpfen musst. Du kannst früher aufhören oder gar nicht erst anfangen. Ungenutzte Spielzeit ist kein Verlust.
Was das Gesetz vorgibt – und was nicht
Bei legalen Online-Anbietern in Deutschland gelten einige feste Zeitregeln:
- Die verstrichene Spielzeit muss angezeigt werden.
- Nach 60 Minuten und danach jede weitere Stunde geht es erst weiter, wenn du einen Hinweis bestätigt hast.
- Bei virtuellen Automatenspielen folgt auf diese Bestätigung eine Pause von fünf Minuten, die die GGL „Cool Down Phase“ nennt.
- Du kannst nicht gleichzeitig bei mehreren Anbietern spielen. Nach dem Ausloggen bei einem Anbieter musst du fünf Minuten warten, bevor du bei einem anderen aktiv werden kannst.
- Jedes Spiel an virtuellen Automaten musst du einzeln starten. Autoplay ist verboten.
Diese Regeln sind Erinnerungen und Bremsen, aber kein Stopp. Ein Hinweis lässt sich wegklicken, und eine Pause endet nach fünf Minuten. Ein Wecker auf dem Handy ist eine zusätzliche Erinnerung, lässt sich aber genauso wegdrücken. Wenn dein Muster ist, Erinnerungen immer wieder zu bestätigen, ist die Antwort nicht unbedingt ein lauterer Wecker, sondern eine stärkere Sperre und Unterstützung beim Aufhören. Für einen echten Stopp gibt es den Panikknopf: Ein Klick sperrt dich sofort für 24 Stunden.
Tausch nicht Geld gegen Zeit
Wer innerhalb seines Geldlimits bleibt, hat damit nicht unbegrenzt Zeit. Und wer früher fertig ist, hat keinen Grund, den Einsatz zu erhöhen. Behandle Geld und Zeit als zwei getrennte Seiten derselben Überprüfung.
Eine Sitzung kann wenig kosten und trotzdem deinen Schlaf ruinieren. Eine andere kann kurz sein und dir finanziell schaden. Keine der beiden Messgrößen hebt die andere auf.
Mach Unterbrechungen normal
Plane, was du tust, wenn eine Nachricht, ein Ergebnis oder eine Werbefrist die Sitzung wieder öffnen will. Eine einfache Antwort: „Die Zeitentscheidung ist schon getroffen. Ich muss mir die Werbung nicht ansehen.“
Überleg, ob Glücksspiel-Benachrichtigungen auf ein Gerät gehören, das du für Arbeit, Essen und Schlaf nutzt. Schalte sie in den Geräteeinstellungen ab und widerrufe in den Kontoeinstellungen deine Einwilligung zu Werbung. Öffne keine Werbung, nur um zu prüfen, ob sich eine Ausnahme lohnt.
Das ist ein Beispiel für eine Grenze rund um deine Aufmerksamkeit. Es garantiert nicht, dass Gedanken ans Spielen verschwinden, und ersetzt keine Unterstützung, wenn diese Gedanken belastend sind.
Schau auf die Lücke, ohne dich zu bestrafen
Notiere den geplanten Endpunkt, den tatsächlichen Endpunkt und den Grund für die Lücke. Bleib konkret: „Eine Werbefrist hat mich weitermachen lassen“ gibt dir etwas, woran du arbeiten kannst. „Ich bin hoffnungslos“ nicht.
Taucht die Lücke immer wieder auf, frag dich, ob Beobachten das richtige Werkzeug ist. Ein Spieltagebuch ordnet Informationen, soll aber nicht zur Chronik wiederholter Schäden werden, ohne dass sich an deiner Unterstützung etwas ändert. Unser Ratgeber zum Aufhören zeigt, wie du vom nächsten Versprechen zu einem Plan aus Sperren und Hilfe kommst.
Wie geschützte Aufmerksamkeit aussieht
Du musst nicht jede frei gewordene Minute mit etwas Produktivem füllen. Vielleicht willst du einfach essen, ohne aufs Handy zu schauen, ein Gespräch zu Ende führen oder schlafen gehen, ohne das Konto noch einmal zu öffnen. Entscheide, was dir wichtig ist, und miss deine Grenze daran, ob sie genau das geschützt hat.
Eine hilfreiche Frage lautet: „War ich in dieser Zeit für das Leben da, das ich führen wollte?“ Sie sagt mehr als die Frage, ob du ein paar Minuten weniger eingeloggt warst. Wenn dir das Aufhören schwerfällt, hilft dir Beratung beim nächsten Schritt: kostenlos beim BIÖG-Beratungstelefon zur Glücksspielsucht unter 0800 1 37 27 00 oder anonym im Chat bei „Check dein Spiel“.
