Um mit dem Glücksspiel aufzuhören, mach die nächste Wette schwerer erreichbar, schütze das Geld, das du zum Leben brauchst, und sprich mit jemandem, der dich unterstützen kann. Du musst nicht erst alle Schulden, Beziehungsprobleme oder künftigen Spieldruck gelöst haben, bevor du diese Schritte gehst.
Dieser Ratgeber hilft dir, die nächsten Schritte zu ordnen. Er ist kein Behandlungsplan und ersetzt weder Beratung noch ärztliche Hilfe. In Deutschland gibt es beides: Sperren wie den Panikknopf und die OASIS-Spielersperre und kostenlose Beratung, etwa beim BIÖG-Beratungstelefon zur Glücksspielsucht.
Beende zuerst die laufende Entscheidung
Schließ das Spiel, die Wett-App oder den Stream, der dich zur nächsten Runde drängt. Geh weg von dem Ort, an dem du gespielt hast. Du brauchst kein letztes Ergebnis, keinen runden Kontostand und keine erfolgreiche Auszahlung, um dich gegen die nächste Wette zu entscheiden.
Nimm einen Satz, der nicht vom Glück abhängt: „Ich platziere die nächste Wette nicht.“ Vergleiche ihn mit „Ich höre auf, sobald ich den Verlust von heute wieder drin habe.“ Der zweite Satz macht dein Aufhören von einem weiteren unsicheren Ergebnis abhängig.
Liegt noch Guthaben auf einem Spielkonto, trenn diese Formalität vom Weiterspielen. Bei legalen Anbietern in Deutschland darf das Schließen eines Kontos nicht schwerer sein als das Eröffnen, und das Restguthaben muss innerhalb von fünf Werktagen kostenlos überwiesen werden. Eine Vertrauensperson kann neben dir sitzen, während du das erledigst. Gib aber niemandem Passwörter oder Bestätigungscodes weiter.
Mach den Zugang schwerer, solange du entschlossen bist
Schau dir die Wege an, die du tatsächlich nutzt: Spielkonten, Spielhallen oder Wettbüros, Zahlungswege und Geräte. Für jeden Weg gibt es ein eigenes Werkzeug:
- Panikknopf: Bei legalen Online-Anbietern sperrt dich ein Klick sofort für 24 Stunden, ohne Rückfrage. Gut für den akuten Moment, aber nur eine kurze Pause.
- OASIS-Spielersperre: Sie gilt bundesweit für Spielhallen, Sportwetten, Online-Poker, virtuelle Automatenspiele und weitere Glücksspielarten. Du beantragst sie kostenlos bei einem legalen Anbieter oder beim Regierungspräsidium Darmstadt – in der Regel für mindestens ein Jahr, auf Wunsch für mindestens drei Monate.
- Einzahlungslimit: Du kannst dein Limit jederzeit senken, und die Senkung gilt sofort. Eine Erhöhung greift erst nach sieben Tagen.
- Sperrsoftware: Programme auf deinen eigenen Geräten können den Zugang zu Glücksspielseiten blockieren – auch zu illegalen Seiten, die OASIS nicht erreicht.
Teste eine Sperre nicht mit einer echten Einzahlung oder Wette. Wenn du unsicher bist, ob sie greift, frag beim Anbieter oder bei einer Beratungsstelle nach. Findest du eine Lücke, melde sie und lass dir helfen, sie zu schließen, statt nach Ausweichmöglichkeiten zu suchen.
Schütze zuerst dein normales Leben
Nimm dir eine ruhige Verwaltungsaufgabe vor: Schreib auf, welches Geld du für Essen, Miete, Strom, Angehörige und notwendige Fahrten brauchst. Betrachte den nächsten Zahltag nicht als Chance, alte Verluste wieder hereinzuholen.
Wenn Rechnungen oder Schulden schon betroffen sind, kümmere dich um beides: das Spielen und das Geldproblem. Seriöse Schuldnerberatung gibt es bei Kommunen, Wohlfahrtsverbänden und Verbraucherzentralen. Vorsicht bei Diensten, die schnelle Sofort-Hilfe versprechen, unklare Kosten haben oder dich drängen, sofort zu unterschreiben.
Du musst nicht die Kontrolle über all dein Geld abgeben, um Unterstützung zu verdienen. Jede Absprache mit einer Vertrauensperson sollte freiwillig, klar und sicher sein, und das Geld für das Nötigste muss für dich erreichbar bleiben.
Sag einer Person, welche Hilfe dir nützt
Formuliere deine Bitte konkret, zum Beispiel: „Ich habe beschlossen, mit dem Glücksspiel aufzuhören. Heute Abend wird schwierig. Können wir nach dem Essen reden, und hilfst du mir, eine Beratungsstelle anzurufen?“
Du kannst auch sagen, worum du nicht bittest: kein Geld, keine Moralpredigt und kein Versprechen, etwas zu verheimlichen. Das macht das Gespräch für beide Seiten leichter.
Wenn es niemanden gibt, dem du dich sicher anvertrauen kannst, nutze professionelle Hilfe. Das BIÖG-Beratungstelefon erreichst du kostenlos unter 0800 1 37 27 00. Bei „Check dein Spiel“ kannst du anonym im Chat schreiben, und DigiSucht bietet kostenlose Online-Suchtberatung per Chat, Nachricht oder Video.
Plane für eine schwierige Situation
Beginne mit einer Situation, die du klar beschreiben kannst: Zahltag, allein nach der Arbeit, ein Fußballspiel im Fernsehen, eine Werbe-Mail oder ein schlechter Tag. Statt dir vorzunehmen, stärker zu sein, leg fest, was du dann tust.
Halte fest, was dich schützt
Notiere Schritte wie: mit einer Beratungsstelle gesprochen, OASIS-Sperre beantragt, eine Rechnung geöffnet, einen Termin wahrgenommen. Schreib nicht auf, wie die Wetten ausgegangen wären, die du nicht platziert hast. Das hält die Glücksspielfrage am Leben und misst nicht, was dir das Aufhören bringt.
Ein Tag ohne Glücksspiel muss sich nicht leicht anfühlen, um zu zählen. Wichtig ist, ob dein nächster Tag die Unterstützung und den Schutz hat, die er braucht.
Wenn du es allein nicht schaffst
Wenn du immer wieder nicht aufhören kannst, stark belastet bist oder deine Finanzen und Beziehungen leiden, brauchst du fachliche Unterstützung. Eine Suchtberatungsstelle in deiner Nähe findest du über das Suchthilfeverzeichnis der DHS, mit Suche nach Postleitzahl und dem Thema Glücksspiel. Die Deutsche Rentenversicherung bietet außerdem Entwöhnungsbehandlungen bei Glücksspielsucht an, ambulant, ganztägig ambulant oder stationär. Für den Antrag braucht es unter anderem einen Sozialbericht der Beratungsstelle.
Am Telefon kannst du einfach sagen: „Ich möchte aufhören, es fällt mir schwer, dem Zugang zu widerstehen, und ich möchte wissen, welche Hilfe es bei mir vor Ort gibt.“ Dein nächster Schritt muss kein perfektes Versprechen für immer sein. Es reicht eine konkrete Handlung, die die nächste Wette schwerer und das nächste Gespräch leichter macht.
