Ein Spieltagebuch hält fest, was passiert ist, wie das zu deinem Plan gepasst hat und was du als Nächstes tust. Es ist keine Gewinnstatistik und kein Beweis dafür, dass du weiterspielen kannst. Du darfst darin auch Spieldruck, Entscheidungen gegen das Spielen und erste Schritte in Richtung Unterstützung notieren.
Du musst nicht spielen, um anzufangen. Ein Eintrag über einen schwierigen Abend, an dem du nicht gespielt hast, oder über ein Gespräch mit einer Beratungsstelle ist oft wertvoller als die nächste Sitzung voller Zahlen.
Welche Frage soll dein Spieltagebuch beantworten?
Wähle eine praktische Frage: Spiele ich länger als geplant? Zahle ich nach Verlusten nach? In welchen Situationen fällt mir das Aufhören schwer? Eine klare Frage verhindert, dass das Tagebuch zum Sammelalbum für Spielergebnisse wird.
Ein Tagebuch stellt keine Diagnose. Es kann weder eine Sucht feststellen noch einen Rückfall vorhersagen oder dir sagen, welcher Betrag „sicher“ ist. Es hilft dir aber, deine Beobachtungen klar zu beschreiben – etwa im Gespräch mit einer Suchtberatungsstelle. Überleg dir auch, was du aufschreibst und mit wem du es teilst: Ein privates Heft ist etwas anderes als ein öffentliches Forum.
So ist ein Eintrag aufgebaut
- Vorher: Was hattest du vor, welche Grenzen wolltest du einhalten, und wie ging es dir?
- Währenddessen oder danach: Was lässt sich belegen – eingezahltes und ausgezahltes Geld, die verstrichene Zeit, Entscheidungen, die du unterwegs geändert hast?
- Als Nächstes: ein konkreter Schritt, zum Beispiel eine Hürde einrichten, eine Beratung anrufen oder einen bestimmten Abend bewusst schützen.
Schreib so, wie du es später lesen möchtest. „Ich habe nach einem Verlust nachgezahlt, obwohl ich aufhören wollte“ hilft mehr als „nur ein kleiner Ausrutscher“ oder „ich habe alles kaputt gemacht“. Lass auch gewöhnliche Abende nicht weg: Wer nur große Gewinne und schmerzhafte Verluste notiert, bekommt eine ausgewählte Geschichte statt eines brauchbaren Bildes.
Notiere das geplante und das tatsächliche Ende. Ergänze kurz, was sich verändert hat: eine Werbenachricht, eine Verlustserie, Langeweile, ein Streit oder der Drang, nach einem Gewinn weiterzumachen. Das sind Beobachtungen, keine Beweise für eine Ursache.
Geld richtig rechnen: Ergebnis ist nicht gleich Einzahlung
Eine Einzahlung ist Geld, das du auf dein Spielkonto überweist, eine Auszahlung Geld, das zurück auf dein Bankkonto geht. Die Differenz zeigt den Geldfluss – aber nicht immer dein Spielergebnis, denn auf dem Spielkonto kann am Anfang oder am Ende schon Guthaben liegen. Für einen einfachen Zeitraum ohne Gebühren, offene Wetten oder sonstige Gutschriften gilt: Spielergebnis = Endguthaben + Auszahlungen − Anfangsguthaben − Einzahlungen. Ist das Ergebnis negativ, hast du verloren.
Rechne immer mit denselben Start- und Endzeitpunkten. Kombiniere nicht den Kontostand vom Montag mit Auszahlungen, die du bis Freitag gezählt hast. Kommen Gebühren, Währungsumrechnung oder offene Wetten dazu, trag sie in eigene Felder ein und gleiche das Ergebnis mit dem Kontoverlauf ab, statt die Formel an unvollständige Notizen anzupassen.
Einsätze sind nicht dein Verlust
Die Summe der Einsätze zählt jeden einzelnen Einsatz – auch Geld, das du nach einem Gewinn erneut gesetzt hast. Aus einem kleinen Startguthaben kann so eine viel größere Einsatzsumme werden. Umgekehrt kann eine große Einzahlung ungenutzt auf dem Konto liegen. Keine der beiden Zahlen beschreibt allein, was das Spielen mit deiner Zeit, deinem Geld und deinem Verhalten macht.
Mach die Einsatzsumme nicht zu einem Wert, der wachsen soll. Notiere sie nur, wenn sie eine Frage beantwortet oder dir hilft, den Kontoverlauf abzugleichen.
Diese Zahlen muss dein Spielkonto zeigen
Bei Anbietern mit deutscher Erlaubnis musst du nichts aus dem Gedächtnis rekonstruieren. Der Glücksspielstaatsvertrag verpflichtet sie zu Transparenz:
- Du kannst jederzeit Guthaben, Spielhistorie, Ein- und Auszahlungen sowie Limits und Limitänderungen der letzten zwölf Monate einsehen.
- Auf Antrag bekommst du unverzüglich und kostenlos eine geordnete Liste aller Transaktionen deines Spielkontos aus den vergangenen zwölf Monaten.
- Nach dem Einloggen zeigt dir der Anbieter die Summe deiner Einsätze, Gewinne und Verluste der letzten 30 Tage. Spielen kannst du erst, wenn du diese Übersicht ausdrücklich bestätigt hast.
Nutze diese Angaben als Zahlenquelle für dein Tagebuch – nicht als Startsignal für die nächste Runde.
Vorlage zum Abschreiben
- Datum und Aktivität – auch die Entscheidung, nicht zu spielen:
- Was ich vorhatte und was mir außerhalb des Spielens wichtig war:
- Beginn und Ende; zusätzliche Zeit fürs Nachschauen von Ergebnissen:
- Anfangsguthaben, Einzahlungen, Auszahlungen, Endguthaben:
- Offene Wetten, Gebühren, sonstige Gutschriften oder Korrekturen:
- Was mir an Spieldruck, Gefühlen oder verschobenen Grenzen aufgefallen ist:
- Was ich als Nächstes tue und wer mich dabei unterstützen kann:
Felder, die nicht passen, darfst du leer lassen. Zugangsdaten, Zahlungsdaten und Ausweisdokumente gehören nicht ins Tagebuch. Ein Heft reicht völlig – wähle die Form, mit der du am ehrlichsten aufschreibst, ohne dir einen weiteren Grund zu geben, dich mit dem Spielen zu beschäftigen.
Auswerten, um zu entscheiden – nicht, um vorherzusagen
Lies mehrere Einträge am Stück und such nach wiederkehrenden Lücken zwischen Vorsatz und Handeln. Frag dich, was du schon schützt und was noch offen liegt. Such nicht nach einem „guten“ Wochentag, einer Glückslaune oder einem Muster, das künftige Gewinne vorhersagen soll.
Ein genaues Tagebuch ist keine Erlaubnis, ein schädliches Muster fortzusetzen. Zeigt es immer wieder Nachzahlen nach Verlusten, Verheimlichen oder Mühe beim Aufhören, nimm es als Anlass für ein Gespräch – nicht als Ansporn für noch genauere Zahlen.
Wenn dein Tagebuch mehr Unterstützung nahelegt
Du kannst deine Einträge mit Fachleuten besprechen, ohne dich vorher festzulegen. Das Beratungstelefon des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ist unter 0800 1 37 27 00 kostenlos erreichbar – für Betroffene und Angehörige. Bei Check dein Spiel findest du einen Selbsttest, Chat-Beratung und Beratungsstellen in deiner Nähe, kostenlos und anonym. Wenn du merkst, dass du immer wieder über deine Grenzen gehst, kannst du dich über OASIS sperren lassen: kostenlos, bei einem Anbieter mit deutscher Erlaubnis oder direkt beim Regierungspräsidium Darmstadt.
